Die Digitalisierung ist allgegenwärtig vorzufinden. In allen täglichen Situationen ist man mit digitalen Medien konfrontiert. Sei es im Online-Einkauf, der App fürs Auto, der Schritte-Tracking-App oder der alltäglichen Kommunikation per Whatsapp. Selbst vor der scheinbar eingestaubten Steuerwelt macht sie keinen Halt. Aus Papierformularen und großen Papierbergen an Belegen wurden digitale Formulare und die Einreichung von Belegen zur Steuererklärung via Elster. Hierbei gilt zu betrachten, inwieweit diese Veränderungen Vorteile und Herausforderungen mit sich bringen.

1. Vorteile der digitalen Steuererklärung

1.1. Faktor Zeit

Der größte Vorteil der Digitalisierung ist wohl die enorme Einsparung von Zeit. Früher galt es zum Finanzamt zu fahren, um die Steuererklärungsformulare abzuholen oder zusammen mit Unterlagen einzureichen. Und dann war da noch das händische Ausfüllen von Papierformularen. Heute lässt sich dies von zuhause aus direkt über Elster erledigen. Bei digitaler Einreichung von Formularen werden die offensichtlichen Fehler direkt angezeigt und können schon von Anfang an vermieden werden. Bei Papierformularen müssten diese erstmal geklärt werden, bevor es mit der steuerlichen Prüfung erst los gehen kann.

1.2. Faktor Flexibilität durch Einreichen einer digitalen Steuererklärung

Als weiteren Vorteil lässt sich die Flexibilität festhalten. Durch die Digitalisierung lässt sich die Steuererklärung oder die Einreichung von sonstigen Formularen jederzeit erledigen. Das Internet hat keine Öffnungszeiten und muss sich folglich an keine Bürozeiten halten. Demnach ist dies sehr lukrativ für Arbeitstätige, die bei üblichen Öffnungszeiten nicht in der Lage sind zum Finanzamt zu fahren, um Ihre steuerlichen Pflichten zu erfüllen. Dies bringt eine enorme Flexibilität mit sich.

1.3. Faktor Vorausberechnung der Steuer beim Einreichen einer digitalen Steuererklärung

Ein weiterer Vorteil ist die automatische Berechnung der zu zahlenden/erstattenden Steuer am Ende einer jeden eingereichten Steuererklärung. Das birgt für Steuerlaien oder auch steuerlich unberatene Steuerpflichtige eine gewisse Transparenz und stellt diese bei Erlass des zugehörigen Bescheides nicht vor unvollendete Tatsachen.

1.4. Faktor Sicherheit

Die digitale Übertragung der Steuererklärung führt zwangsläufig auch zu einer Nachverfolgung der eingereichten Formulare mit automatischer Eingangsbestätigung. Bei einer analogen Steuererklärung sieht das hingegen ganz anders aus. So erhält man keine Bestätigung bei Einwurf in den Briefkasten außerhalb der Öffnungszeiten des Finanzamtes. Und bei Postversand erhält man eine Bestätigung nur bei einer kostspieligen Zusendung mit Einschreiben und Rückschein per Post. Somit kann man das Argument, dass etwas nicht angekommen ist oder vorliegt endlich ausschließen.

Die digitale Übertragung von Formularen und der Steuererklärung lässt sich via Elster nur mit 2-Faktor-Authentifizierung realisieren. Das heißt, man benötigt ein Passwort und eine weitere Möglichkeit (Zertifikatsdatei, Online-Personalausweis, Elster USB-Stick, Elster Signaturkarte). Dadurch bringt diese Verschlüsselung eine enorme Sicherheit mit sich.

1.5. Faktor Umweltschutz

Außerdem trägt die digitale Übertragung von Steuererklärungen zum Schutz der Umwelt bei. Der Verzicht auf Papier spart Ressourcen und der fehlende Postversand spart Emissionen ein.

2. Herausforderungen der digitalen Steuererklärung

Jedoch muss man diese Sicherheitsmöglichkeiten zunächst beantragen. Beispielhaft muss das Elster-Sicherheitszertifikat online beantragt werden. Dies ist mit einem einmaligen hohen Aufwand verbunden, der etwa für ältere und IT-averse Menschen ein erhebliches Hindernis bedeuten kann.

Zu der bei der Finanzverwaltung großgeschriebenen Wertlegung auf Sicherheit personenbezogener Daten kommen dementsprechend Bedenken des Datenschutzes. Steuerdaten gehören zu den sensibelsten Daten eines jeden Steuerpflichtigen. Daher besteht natürlich ein gewisses Risiko bei unzureichender Absicherung bei der Nutzung von Apps zur Erstellung digitaler Steuererklärungen. Weiterhin bestehen Bedenken zu möglichen Sicherheitslecks in der Finanzverwaltung, wodurch ein Verlust persönlicher Steuerdaten im Raum steht. Dies ist auch ein großes Thema auf der Agenda eines jeden Steuerberaters. Das führt zwangsläufig zu einer großen finanziellen Investition in digitale Sicherheitssysteme.

Eine weitere Herausforderung der digitalen Übertragung von Steuererklärungen kann die Komplexität der Formulare auf Elster sein. Diese können leicht unübersichtlich wirken und eine Person, die Elster nur einmal im Jahr benutzt, schnell überfordern. Denn bei fehlendem steuerlichen Wissen birgt dies durchaus die Gefahr der Nichteintragung von steuerlichen Abzugsmöglichkeiten, da schlichtweg durch die Unübersichtlichkeit etwas untergeht. Daher wenden sich viele Menschen möglicherweise wieder an einen Steuerberater. Dies führt wiederum zu höheren Kosten für die Steuererklärung, die man ja eigentlich ganz leicht digital erstellen wollte.

3. Digitale Steuererklärung – Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass die vorliegenden Vorteile der digitalen Steuererklärung die Risiken übersteigen. Folglich ist ein Zurück zum alten Standard nicht mehr zeitgemäß. Die Digitalisierung der Vorgänge in der Finanzverwaltung haben erst richtig begonnen und werden noch weiter ausgeweitet werden. Die vorliegenden Risiken dürfen nicht unterschätzt werden und werden auch zwangsläufig irgendwann einmal eintreten. Dies muss aber in Kauf genommen werden, da die Effizienz und Optimierung von steuerlichen Prozessen nur über die Digitalisierung laufen kann.