Wie kann man Geld auf die eigene GmbH übertragen? Das fragen sich Unternehmer oft, wenn sie feststellen, dass einerseits ihr Unternehmen mit mehr liquiden Mitteln deutlich besser performen könnte, andererseits das Geld auch noch praktisch griffbereit auf dem Privatkonto liegt, sodass keine Fremdfinanzierung erforderlich ist. Wie präsentieren die drei Optionen Kapitalerhöhung, Kapitalrücklage sowie Gesellschafterdarlehen und analysieren, welche Variante die sinnvollste ist.

1. Geld auf eigene GmbH übertragen – Einleitung

Mit einer GmbH haben Unternehmer viele Freiheiten, um steuerlich günstige Bedingungen für sich und ihr Unternehmen zu erzielen. Dabei geht man stets davon aus, dass die dazugehörigen Steuergestaltungen einen Schutz vor übermäßiger Besteuerung der Gewinne herbeiführen sollen.

Diesmal ist es aber andersrum. Heute wollen wir uns Gedanken um eine GmbH machen, die Geld braucht. Das Geld soll dabei aus dem Privatvermögen der Gesellschafterin oder des Gesellschafters stammen. Dabei handelt es sich um ein alles andere als banalen Vorgang. Denn in der Regel haben GmbH-Gesellschafter drei unterschiedliche Möglichkeiten, wie sie die Liquidität ihrer GmbH erhöhen können – und zwar aus eigenen Mitteln. Diese stellen wir Ihnen nun vor und verraten dabei auch, welche Option aus steuerrechtlicher Sicht zu empfehlen ist.

2. Geld auf eigene GmbH übertragen: Stammkapital

2.1. Wie man Geld auf das Stammkapital der eigenen GmbH überträgt

Beginnen wir mit der offensichtlichsten Alternative, der Erhöhung des Stammkapitals. Dazu muss man den Gesellschaftsvertrag ändern. Hierfür ist allerdings eine notarielle Beurkundung erforderlich. Außerdem ist eine Erhöhung des Stammkapitals ein Vorgang, der publikationspflichtig ist. Sprich: man muss die Erhöhung des Stammkapitals beim Handelsregister anmelden. Dies ist eigentlich ein Vorteil, weil dann alle an den Finanzen der GmbH interessierten außenstehende Kreise sich leicht über die Lage des Unternehmens informieren können. Außerdem ist das Stammkapital einer GmbH die solideste Basis, mit dem man die Finanzkraft des Unternehmens zum Ausdruck bringen kann. Für potenzielle Gläubiger unter den Geschäftspartnern ist das also der Goldstandard.

2.2. Nachteile der Stammkapitalerhöhung

Allerdings hat dieses Vorgehen auch einige Nachteile. Zunächst einmal ist dafür der kostenpflichtige Gang zum Notariat erforderlich. Weiterhin braucht die Anmeldung beim Handelsregister etwas Zeit, bis die Kapitalerhöhung publik wird. Im Vergleich zum nächsten Punkt sind dies aber Kleinigkeiten. Denn wenn eines Tages die GmbH verkauft oder liquidiert werden soll, dann unterliegt auch die Einlage in das Stammkapital der Gewinnbesteuerung, wenn auch indirekt.

Aber auch wenn man zwischenzeitlich das Geld über eine Kapitalherabsetzung in Übereinstimmung mit § 58 GmbHG wieder aus der GmbH abziehen möchte, ist dies recht aufwendig. So ist zunächst eine Sperrfrist von einem Jahr einzuhalten, bevor man an das Geld gelangen kann. Die Frist dient dazu, potenziellen Gläubigern Gelegenheit zu geben, ihre Forderungen begleichen zu lassen. Denn die Kapitalherabsetzung bedeutet für Gläubiger das Risiko, dass die finanzielle Deckung ihrer Forderungen gefährdet ist. Erst nach Ablauf der Frist kann die GmbH ihr neues, gemindertes Stammkapital im Handelsregister veröffentlichen.

Dazu muss man einen Notar für eine erneute Satzungsänderung aufsuchen, was wieder Geld und Zeit kostet. Weiterhin unterliegt dieser Vorgang strengen steuerrechtlichen Regelungen. So muss man bei solchen Vorgängen steuerlich eine gewisse Verwendungsreihenfolge beachten. Dies ist jedoch ein sehr komplexer Vorgang. Im Prinzip geht es darum, dass man nach dem Gesetz erst die Gelder aus der GmbH ausschütten darf, die steuerpflichtig sind. Erst danach kommt man an das Stammkapital heran. Immerhin, Geld aus dem Stammkapital entnehmen ist steuerfrei.

Abschließend betrachtet zahlt man also erst nettoversteuertes Geld in die GmbH ein und dann muss man am Ende ebenfalls Steuern zahlen, um an das Geld zu kommen. Ganz zu schweigen von dem erheblichen Verwaltungsaufwand, den man hierfür betreiben muss. So sollte man neben dem Notar auch einen Steuerberater hinzuziehen, um bei der Verwendungsreihenfolge keine Fehler zu machen.

3. Geld auf eigene GmbH übertragen: Kapitalrücklage

Also gut, wenn man das einzuzahlende Geld aus dem Stammkapital raushalten möchte, dann gibt es ja noch die Kapitalrücklage als Option. Schließlich ist es der Hauptzweck von Kapitalrücklagen, von außen in die GmbH eingeführte Mittel – sowohl Geld als auch andere Vermögensgegenstände – aufzunehmen. Somit ist sie für Einzahlungen durch die eigenen Gesellschafter praktisch prädestiniert. In dieser Hinsicht stellt die Kapitalrücklage als Teil des Eigenkapitals einer Bilanz die Ergänzung zur Gewinnrücklage dar, die ausschließlich für die selbst geschaffenen Vermögenswerte vorgesehen ist, also für ihre aufgesparten Gewinne.

Wie funktioniert nun die Einzahlung in die Kapitalrücklage? Wer Geld auf die eigene GmbH übertragen möchte und dabei auf die Kapitalrücklage abzielt, muss zunächst einen Gesellschafterbeschluss fassen. Damit ermöglicht man eine relativ unkomplizierte Einzahlung in die Kapitalrücklage der eigenen GmbH. Zumindest braucht man hierfür keine notarielle Beurkundung.

Doch spätestens bei der Auszahlung aus der Kapitalrücklage beginnen die Herausforderungen. Denn auch in diesem Fall ist eine Verwendungsreihenfolge gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet also auch hierbei, dass man zunächst alle akkumulierten Gewinne aus der GmbH ausschütten muss, bevor man eine steuerfreie Auszahlung aus der Kapitalrücklage erreichen kann. Da ist das Steuerrecht rigoros.

Immerhin ist auch die Kapitalrücklage Ausdruck der finanziellen Lage der GmbH. Auch sie erscheint in der Bilanz, sodass Geschäftspartner sich ein recht genaues Bild von der GmbH machen können. Daher ist dies eine durchaus interessante Option, um Geld auf die eigene GmbH zu übertragen.

4. Geld auf eigene GmbH übertragen: Darlehen

Die dritte Wahlmöglichkeit, die wir Ihnen vorstellen möchten, ist die Überlassung eines Darlehens von privat. Auch hierbei kann man relativ unkompliziert Geld auf die eigene GmbH übertragen. Dazu reicht ein einfacher Darlehensvertrag und die Überweisung vom Privatkonto an das der GmbH. Allerdings muss man dann auch die vertraglich vorbestimmten Konditionen konsequent einhalten. Andernfalls riskiert man, dass das Finanzamt eher von einer verdeckten Einlage ausgeht – und diese dann steuerrechtlich entsprechend behandelt.

Wenn man diese Aspekte jedoch beachtet, ist die Darlehensgewährung an die eigene GmbH eine sehr interessante Option. Denn die Rückzahlung aus der GmbH kann sowohl steuerfrei erfolgen als auch – das ist der große Unterschied zu den beiden anderen Alternativen – ohne eine Verwendungsreihenfolge beachten zu müssen. Im Übrigen ist auch weder eine notarielle Beurkundung noch eine Eintragung ins Handelsregister vorgeschrieben.

Ein Manko bleibt bei der Darlehensoption dennoch. So ist die Verbindlichkeit der GmbH gegenüber ihrem Gesellschafter ein Posten, den man bilanzieren muss. Potenzielle Gläubiger können also sehen, dass die GmbH Schulden bei ihrem Gesellschafter hat, was unter Umständen kein gutes Zeichen für finanzielle Solidität ist. Wenn man jedoch das Darlehen als Nachrangdarlehen vergibt, ist dies für Geschäftspartner ein deutlich positiveres Zeichen. Es bedeutet nämlich für Dritte, dass im Haftungsfall das Darlehen weniger prioritär ist als die eigene Forderung gegenüber der GmbH. Damit gewinnt das Darlehen fast die gleiche Bedeutung wie das Stammkapital oder die Kapitalrücklage.

5. Geld auf eigene GmbH übertragen – Fazit

Schauen wir nun, welche Schlussfolgerungen wir aus unseren Darstellung destillieren können. Zunächst einmal sind alle drei Gestaltungen dazu geeignet, um Geld auf die eigene GmbH zu übertragen. Allerdings haben alle drei Varianten unterschiedliche Vor- und Nachteile. Diese sind für die Entscheidung, welche Vorgehensweise man dazu nutzen möchte, um Geld auf die eigene GmbH zu übertragen, von großer Bedeutung.

5.1. Wesentliche Vor- und Nachteile bei einer Kapitalerhöhung

Die Erhöhung des Stammkapitals hat den Vorteil, die höchste Solidität des Unternehmens darzustellen. Doch sowohl der Aufwand, die Einlage in das Stammkapital vorzunehmen, als auch der spätere Abzug daraus ist enorm. Hinzu kommt, dass die spätere Auszahlung praktisch an eine Besteuerung aufgesparter Gewinne gekoppelt ist. Es handelt sich also um einen steuerlichen Nachteil.

5.2. Wesentliche Vor- und Nachteile bei einer Einzahlung in die Kapitalrücklage

Die Einzahlung in die Kapitalrücklage ist schon leichter zu bewerkstelligen. Auch die Außenwirkung auf Geschäftspartner ist grundsolide, wenn auch etwas weniger als bei der Kapitalerhöhung. Doch spätestens beim Abzug des Geldes aus der Kapitalrücklage muss man auch hierbei die Verwendungsreihenfolge beachten, sprich Steuern auf aufgesparte Gewinne zahlen. Nur wenn keine solchen Gewinne in der GmbH vorhanden sind, mag dies für die Optionen Stammkapital und Kapitalrücklage sinnvoll sein. Allerdings erscheint in einer solchen Situation der Abzug des Kapitals wenig sinnvoll.

5.3. Wesentliche Vor- und Nachteile bei einem Darlehen

Mit einem Darlehen kann man als GmbH-Gesellschafter hingegen am einfachsten Geld auf die eigene GmbH übertragen. Denn sowohl die Schließung des Darlehensvertrags mit der eigenen GmbH als auch die Tilgung sowie die Verzinsung lassen sich ganz individuell gestalten. Man muss dennoch auf einige Punkte achten, sodass keine verdeckte Einlage entsteht. Und die Rückzahlung hat den großen Vorteil, dass sie ebenfalls steuerfrei bleibt. Nur bei der Außenwirkung muss man Abstriche hinnehmen, aber selbst dafür kann man eine Lösung finden.

5.4. Unser Fazit