Datum | Aktenzeichen/Rechtssache | Fundstelle

07.02.1974 | C-115/78 Knoors | Slg. 1979, 399

20.02.1979 | C-120/78 Rewe/Bundesmonopolverwaltung für Branntwein | Slg. 1979, 649

06.10.1981 | C-246/80 Broekmeulen | Slg. 1981, 2311

27.09.1988 | 81/87 Daily Mail | Slg. 1988, 5483

03.10.1990 | C-61/89 Bochoucha | Slg. 1990, I-3551

25.07.1991 | C-111/89 Factortame II | Slg. 1991, I-3905

30.11.1995 | C-55/94 Gebhard | Slg. 1995, I-14165

15.05.1997 | C-250/95 Futura Participations und Singer/Administration des contributions | Slg. 1997, I-2471

16.07.1998 | C-264/96 ICI | Slg. 1998, I-4695

21.11.2002 | C-436/00 X und Y | Slg. 2002, I-10847

12.12.2002 | Lankhorst-Hohorst | Slg. 2002, I-11779

11.03.2004 | C-9/02 Hughes de Lasteryrie du Saillant | Slg. 2004, I-2409

13.12.2005 | C-446/03 Marks & Spencer | Slg. 2006, I-10837

07.09.2006 | C-470/04 N | Slg. 2006, I-7409

12.09.2006 | C- 196/04 Cadburry Schweppes | Slg. 2006, I-7995

03.10.2006 | C-290/04 Scorpio | Slg. 2006, I-9461

15.05.2008 | C-414/06 Lidl Belgium | Slg. 2008, I-13601

16.12.2008 | C-210/06 Cartesio | Slg. 2008, I-9641

11.11.2010 | C-543/08 Kommission/

Portugal | Slg. 2010, I-11241

10.02.2011 | C-436/08 Haribo Lakritzen Hans Riegel und Österreichische Salinen | Slg. 2011, I-305

29.11.2011 | C-371/10 National Grid Indus | EuZW 2011, 951

12.07.2012 | C-269/09 Kommision/Spanien | EuZW 2013,34

06.09.2012 | C-38/10 Kommission/Portugal | IStR 2012, 763

18.10.2012 | C-498/10 X | EuZW 2013,156

31.01.2013 | C-301/11 Kommission/Niederlande | BeckRS 2013, 80253

25.04.2013 | C-64/11 Kommission/Spanien | BeckRS 2013, 80339

18.07.2013 | C-261/11 Kommission/ Dänemark | BeckRS 2013, 81546

23.01.2014 | C-164/12 DMC | ECLI:EU:C:2014: 20

21.05.2015 | C-657/13 Verder LabTec | ECLI:EU:C:2015: 331

17.12.2015 | C- 388/14 Timac Agro | ECLI:EU:C:2015: 829

21.12.2016 | C-503/14 Kommission/Portugal | ECLI:EU:C:2016: 979

23.11.2017 | C-292/16 A Oy | ECLI:EU:C:2017: 888

26.02.2019 | C-581/17 | ECLI:EU:C2019 138

Datum | Aktenzeichen/Rechtssache | Fundstelle

26.01.1977 | VIII R 109/75 | BStBl. II 1977, 283

Datum | Gericht/Aktenzeichen | Fundstelle

06.11.2000 | FG Münster 9 K 6931/98 K | EFG 2001, 234

07.01.2011 | FG Rheinland-Pfalz 1 V1217/10 | EFG 2011, 1096

31.10.2019 | FG Münster 1 K 3448/17E | EFG 2020, 19

Behörde | Datum | Aktenzeichen | Fundstelle

Bundesministerium der Finanzen | 24.12.1999 | IV B 4- S1300-111/99 | BStBl. I 1999, 1076

Bundesministerium der Finanzen | 14.05.2004 | IV B 4-S 1340-11/04 | BStBl. I 2004, 3

Die Neuregelung der Wegzugsbesteuerung bedarf einer Analyse in Bezug auf ihre Konformität mit dem Europarecht. Dieser Analyse liegen Fragen nach der Niederlassungsfreiheit und Kapitalverkehrsfreiheit zugrunde, somit also wichtige Grundrechte aller EU-Bürger.

Jährlich verziehen mehr als 270.000 Bürger aus der Bundesrepublik Deutschland[1] und legen damit auch ihre hiesige unbeschränkte Steuerpflicht nieder. In vielen Fällen bedeutet dies auch, dass die durch den Steuerpflichtigen im Inland geschaffenen Vermögenswerte durch den Wegzug dem deutschen Besteuerungsrecht entzogen werden.

Da diese Vermögenswerte in Deutschland durch inländische Ressourcen, Know how und Kapital geschaffen wurden, entspricht es auch dem Gedanken an eine territoriale Besteuerung, dass Deutschland durch den Wegzug das Besteuerungsrecht an diesen Wertzuwächsen nicht verliert. Während im betrieblichen Bereich das Besteuerungsrecht durch eine Reihe von sogenannten „Entstrickungsvorschriften“ gesichert wird[2], ist im Privatbereich ein Verlust oder eine Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechtes grundsätzlich ohne steuerliche Folgen, jedoch mit einer Ausnahme:

Zur Vermeidung von Steuerumgehung hat der Gesetzgeber im Jahr 1972 in § 6 AStG die sogenannte „Wegzugsbesteuerung“ eingeführt. Danach werden Anteilseigner mit ihren Wertzuwächsen der Kapitalgesellschaftsbeteiligung nach Maßgabe des § 17 EStG besteuert.[3] Aufgrund der hohen Bewertungen der Kapitalgesellschaftsbeteiligung ergeben sich häufig hohe Steuerbelastungen, die den

Steuerpflichtigen von einem Wegzug ins Ausland abhalten oder diesen gar unmöglich machen.[4]

Weil der Umzug von Unionsbürgern in ein EU-/EWR-Ausland folglich mit höheren steuerlichen Folgen verbunden ist als der reine Inlandsumzug, war diese Regelung von vorneherein europarechtlich bedenklich. Als der EuGH mit seinen Urteilen in der Rs. Hughes de Lasteyrie du Saillant[5] und der Rs. N[6] die französische und niederländische Wegzugsbesteuerung für europarechtswidrig eingestuft hat, führte der deutsche Gesetzgeber im Rahmen des SEStEG im Jahr 2006 in § 6 Abs. 5 AStG eine unbefristete Stundungsmöglichkeit für Wegzugsfälle innerhalb des EU-/EWR-Raumes ein.[7]

Nachdem der EuGH in den Rs. DMC[8] und Verder LabTec[9] in den Jahren 2014 und 2015 im Bereich der betrieblichen Entstrickung eine unbefristete Stundung europarechtlich als nicht mehr notwendig einstufte und eine Besteuerung in fünf bzw. zehn Jahresraten als noch verhältnismäßig beurteilt hat, hält das Bundesministerium der Finanzen auch auf privater Ebene eine Besteuerung in fünf Jahresraten für

europarechtskonform. Nach Ansicht des Bundesministerium der Finanzen wird diese These dadurch unterstützt, dass im betrieblichen Bereich durch die ATAD nunmehr eine ratierliche Besteuerung in fünf Jahresraten für alle EU-/EWR-Staaten verpflichtend ist. Entsprechend hat das Bundesministerium am 10. Dezember 2019 einen Entwurf zur Umsetzung der Anti-Steuervermeidungsrichtlinie (ATAD)[10] bekanntgegeben, in dem insbesondere auch die bisher geltende Stundungsmöglichkeit für EU-/EWR-Wegzugsfälle künftig durch eine siebenjährige Ratenzahlung ersetzt werden soll. Diese Neuregelung ist jedoch insbesondere in Bezug auf folgende Fragestellungen kritisch zu beurteilen: